Rezension | Jennifer Bright „The Right Kind Of Wrong“

300 Seiten | Einzelband | Dezember 2019 | Forever Ullstein Verlag | 5,99€ | Hier kaufen 
 
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Inhalt

Du bist der Funken Hoffnung in meiner Dunkelheit

Zoe lebt mit ihrer besten Freundin Kate in einer WG in London und wünscht sich nichts mehr, als frei zu sein. Frei von den Erwartungen ihrer Eltern und frei von den Panikattacken, die sie immer wieder erschüttern. Als Kates neuer Freund Noah eine Unterkunft braucht, stimmt Zoe zu, ihn vorübergehend einziehen zu lassen. Obwohl ihr Aufeinandertreffen alles andere als reibungslos verläuft, entdeckt sie mit der Zeit immer mehr Gemeinsamkeiten und fühlt sich zu Noah hingezogen. Zoe weiß, dass ihre Gefühle falsch sind und sie die Freundschaft zu Kate kosten könnten. Doch als Zoe bemerkt, dass sie an Noahs Seite freier ist als jemals zuvor, geraten ihre guten Vorsätze ins Wanken …

 

Erster Satz

Meine nackten Füße tragen mich über das dunkle Parkett unserer sonnendurchfluteten Dreizimmerwohnung.

 

Meine Meinung

Unter wort_getreut habe ich Jennifer schon lange verfolgt und habe dementsprechend auch den Entstehungsprozess des Buches immer aufmerksam verfolgt. Als sie dann endlich den Verlagsvertrag bekommen hat und immer mehr Infos zum Buch veröffentlicht hat, wusste ich natürlich sofort, dass ich es lesen muss.
Das Cover gefällt mir auch ganz gut, obwohl die Farbgebung allein mich nicht wirklich anspricht.
 
Zoe und Kate sind seit ewigen Jahren beste Freundinnen, seitdem es eine Art Liebe auf den ersten Blick zwischen ihnen war. Während Zoe eher etwas ruhiger und geplanter lebt, lässt Kate es gerne krachen und ist sehr sprunghaft. Genauso verrückt und spontan ist eben auch Kates neueste Idee, ihren neuen Freund in die WG der besten Freundinnen einziehen zu lassen. Eine Idee, von der Zoe gar nicht begeistert ist, bis sie Noah immer mehr kennen lernt und sich immer mehr zu ihm hingezogen fühlt.
 
Zoe ist Stundentin, liest für ihr Leben gern und seit langem eine Europa-Reise geplant hat. Ihr größter Wunsch ist es, frei leben zu können und von niemandem eingegrenzt oder bevormundet zu werden. Doch durch die schlechte Beziehung zu ihren Eltern, die schon im Kindesalter zu wünschen übrig ließ, ist ihr dieser Wunsch zu oft verwehrt worden. Obwohl das noch Nachwirkungen mit sich zieht, steht sie immer mehr auf eigenen Beinen und setz ihren eigenen Willen durch. Sie lässt sich in keine klassische Schublade zuordnen, was sie auch selbst von sich sagt. Sie schminkt sich gerne, macht sich hübsch und geht feiern, aber genauso gerne verbringt sie einen Abend auf der Couch mit ihrer Lieblingsserie oder einem guten Buch und ihrer heiß geliebten Pizza. 
Kate ist wie gesagt ihre beste Freundin und ergänzt sich perfekt mit Zoe. Kate lebt deutlich spontaner und schnelllebiger, sie wirkt fast ein wenig sprunghaft, doch auch sie versteckt einen weichen Kern.
Noah ist zu Anfang ein großes Mysterium. Er studiert Kunstgeschichte, hat einen leicht ungepflegt wirkenden Look und verschlingt, ebenso wie Zoe, zahlreiche Bücher. Er redet nicht viel über sich, besaonders nicht über seine Vergangenheit, und wirkt wie ein Gute-Laune-Mensch ohne tiefgründigere Gefühle. Doch auch er verbirgt seine emotionale Seite lieber vor seinen Mitmenschen, als sie ihnen zu zeigen.
 
Alle drei Protagonisten wurden wahnsinnig ausführlich und detalliert dargestellt, wodurch ich sie fast bildlich vor Augen hatte. Besonders Zoe ist mir sehr ans Herz gewachsen, weil ich mich selbst sehr in ihr sehe. So viele Charakterzüge ähneln sich bei uns, sodass ich mich wahnsinnig gut in sie hinein versetzen konnte, was natürlich nicht bedeutet, dass ich all ihre Aktionen befürworte. Und trotzdem war sie mir häufig auch zu sehr das Klischee einer YA-Protagonistin. Und auch Kate hat mir wahnsinnig gut gefallen, weil sie mich so sehr an meine Freundinnen erinnert.
Was ich von Noah halten sollte, konnte ich lange Zeit nicht einschätzen. Natürlich ist das der Tatsache geschuldet, dass er kaum über persönliche Dinge spricht. Doch ich habe auch ihn mit der Zeit immer mehr lieben gelernt.
 
Der Schreibstil hat in mir gemischte Gefühle ausgelöst. Einerseits wurde alles so bildlich beschrieben, dass ich die Szenen genau vor meinen Augen abspielen konnte – das hat mir wirklich sehr gut gefallen! Ebenso gut gefallen hat mir die Sprache, die sehr authentisch für Protagonisten in diesem Alter wirkte. Andererseits waren mir einige, auf mich eher unwichtig wirkende Momente, zu detailliert beschrieben, besonders am Anfang ist mir das sehr stark aufgefallen. Da bin ich auch noch über einige Forumlierungen gestolpert, wie schon der erste Satz, den ich oben bereits zitiert habe. Da diese Umschreibung davon, wie Zoe läuft, in diesem Buch häufiger wiederholt wird, hat sie sich sehr in mein Gedächtnis schleichen können. 
Aber wie gesagt ist mir das nur zu Beginn sehr aufgefallen, im Laufe der nächsten Kapitel habe ich da kaum noch etwas „ruckeliges“ gespürt und konnte das Buch wahnsinnig schnell und flüssig lesen. Gerade als Debüt möchte ich da gar nicht so riesig meckern.
 
Die Handlung verlief anders, als ich es erwartet habe, obwohl der Klappentext die Richtung schon deutlich vorgibt.
Gerade die letzten 2, 3 Sätze der Inhaltsbeschreibung bewirken eine unglaublich hohe Voraussehbarkeit, was den Handlungsverlauf angeht und dafür wurden mir zu wenige zusätzliche Höhepunkte oder Überraschungen geboten. Es hat sich anfangs sehr gezogen, eben weil der Leser ja schon „weiß“, wie es enden wird. Dafür sind mir die Protagonisten zu sehr auf der Stelle getreten und dafür war mir auch das Ende ein wenig zu platt und flott abgehandelt.
Ich möchte allerdings nicht sagen, dass es keine schönen Momente und Szenen in diesem Buch gab – im Gegenteil. Besonders die Erlebnisse zwischen Kate und Zoe als beste Freundinnen habe ich super gerne gelesen, weil sie mir ein wirklich heimiliges Gefühl geben konnten. Auch die Touren durch London waren super schön mit zu erleben. Weniger schön als solches, aber dafür sehr interessant und wichtig habe ich die Szenen mit Zoes Familie, sowie die von Noahs Vergangenheit, empfunden. Von denen hätte ich mir sogar noch mehr und noch tiefgehendere gewünscht.
 
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Dass Zoe und Noah sich ineinander verlieben werden steht ja schon im Klappentext, aber ich möchte dennoch nicht ohne Warnung spoilern. Die Tatsache, dass die Vebundenheit zwischen den Beiden aber von Anfang an so klar ist, hat die Handlung etwas langamtig werden lassen. Die Trennung von Kate und Noah hatte ich mir auch etwas anders erhofft, vor Allem hätte ich nicht gedacht, dass sie erst so spät im Buch stattfinden würde. Ich hatte fast mit einer freundschaftlichen Trennung gerechnet, statt einer doch so emotionalen. Ein sehr interessantes und wichtiges Thema sind Zoes Panikattacken, die zwar nicht als Hauptthema fungieren, aber dennoch dem Leser ein gutes Bild davon machen konnte. Auch Noahs Vergangenheit fand ich super interessant, wie gesagt hätte ich mir da sogar noch mehr gewünscht. Das Ende war mir allerdings zu flach, es passiert so schnell, sodas es kaum zum Tempo des restlichen Buches passt. Es war mir auch fast zu perfekt, wobei ein Happy End natürlich auch immer schön ist. Dennoch hatte ich da mit etwas anderem gerechnet.

 
 

Fazit

Insgesamt ein schönes Buch, das mir ein paar angenehme Lesestunden bescheren konnte, ohne dass es lange in meinem Kopf bleiben wird. Die Charaktere haben es mir sehr angetan, gerade durch ihre ausführlichen und authentischen Beschreibungen hatte ich ein genaues Bild der drei Protagonisten, sowie der gesamten Szenerie vor Augen. Dafür fehlte es mir leider etwas an Spannung in der Handlung, da der Klappentext diese doch sehr vorhersehbar macht. Ich kann es jedem empfehlen, der einfach ein wenig abschalten und berieseln lassen möchte – ein schönes Wohlfühlbuch für Zwischendurch!

Ein großes Dankeschön an den Verlag und Netgalley für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

4 Kommentare bei „Rezension | Jennifer Bright „The Right Kind Of Wrong““

  1. Eine sehr schöne Rezension. Ich fand das Buch ganz nett, allerdings hat mir auch die Spannung gefehlt. Irgendwie plätscherte die Geschichte nur so vor sich hin, weshalb ich auch „nur“ drei Sterne vergeben habe. Trotzdem bin ich sehr gespannt auf Jennifers nächstes Buch. Sie hat wirklich sehr viel Potenzial gezeigt und ich hoffe sie bleibt am schreiben dran und wir erhalten irgendwann ein weiteres Werk.

    Liebe Grüße
    Katie

    1. Danke dir. Ich werde sie als Autorin auch ganz klar weiter verfolgen, aber ein wenig mehr Spannung hätte hier nicht geschadet.

  2. Liebe Lara,
    eine super schöne Rezension, die ich gerne gelassen. Ich verfolge die Autorin auf Instagram, habe aber mein Interesse an dem Buch verloren, als ich den Klappentext gelesen habe. Ich bin aus ihm nicht so recht schlau geworden, weil mich das Wort „Freund“ irritierte. Ist Noah der neue Freund oder der neue feste Freund der besten Freundin? Ich habe es so gedeutet, dass er der feste Freund ist und finde dieses Thema in Romanen sehr schwierig und muss einfach sagen, dass mich solche Geschichten gar nicht ansprechen.
    Dementsprechend kann ich auch deine Bewertung gut nachvollziehen. Ich finde auch, dass das Buch den Eindruck macht, als würde es nach dem Beenden nicht lange im Kopf des Lesers bleiben. Aber bei mir ist das bei Büchern des Verlags leider häufiger so…
    Danke jedenfalls für deine schöne Rezension und alles Liebe aus der Schweiz.
    Janika

    1. Danke dir! 🙂
      Eigentlich mag ich solche vorangekündigten Dreiecks-Geschichte auch nicht wirklich, aber bei der Autorin war ich einfach zu neugierig.

      Jetzt gerade, wo du mir sagst, dass es dir bei diesem Verlag häufig so geht, fällt mir das gleiche rückblickend auch für mich auf!

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