Rezension | D. C. Odesza „Abendgewitter“

456 Seiten | Teil 1 |  06.06.2019 | D.C. Odesza | 13,90€ | Hier kaufen
 
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Inhalt

Panama. Zwei junge Studentinnen treten ihr Auslandsjahr an. Das erste Ziel ist Panama-Stadt. Allerdings ahnen beide noch nicht, dass sie das Land nicht mehr so schnell verlassen werden. Vom ersten Tag an scheint sie das Finstere zu verfolgen. Das Dunkle, das kein Gesicht besitzt, sondern eine Maske.
 
ALESSIO! Wer ist dieser rätselhafte Mann? Ein Schatten? Ein Feind? Oder doch ein Beschützer? Wohl kaum …
 

Erster Satz

Ich habe keine Ahnung, wie genau ich beginnen soll.

Meine Meinung

Als ich entdeckt habe, dass D.C. Odesza einen neuen Roman, außerhalb ihrer bekannten Reihen, veröffentlicht, war ich gleich ganz gespannt. Wer mich, und besonders meine Lesemonate, in den letzten Jahren verfolgt hat, wird wissen, dass ich bereits vor einigen Jahren meine Liebe zu dieser Autorin entdeckt habe und ihre Bücher auch gerne hin und wieder mal rereade.

Samira ist eine Junge Frau, die bisher sehr behütet und bewacht aufgewachsen ist – aus verschiedensten Gründen. Nun begibt sie sich mit ihrer besten Freundin, Zahra, auf eine Reise durch Panama, wo sie als Au Pair in einer Gastfamilie wohnen. Zumindest bis sie bei einer Tour durch den Dschungel verschwinden und von den Terequaz aufgenommen werden. Ob nun zum Schutz, oder als Gefangene ist unklar.
Alessio gehört zu den genannten Terequarz, nein besser, er ist deren Oberhaupt. In wie viele illegale Geschäfte er verwickelt ist, kann ich kaum zählen. Er ist auf jeden Fall gefährlich, wenn man nicht das tut, was er verlangt. Macht man es doch, scheint er der liebste Mann auf Erden zu sein.

Samira mochte ich gleich, auch wenn mich gar nichts mit ihr verbindet. Ich mochte ihr Art, die zwar selbstbewusst, aber nicht übermütig ist. Sie weiß, wann sie was zu sagen hat, weiß aber auch, wann der richtige Moment ist, um zu schweigen. Allerdings verändert ihre Aufenthalt bei den Terequaz sie, was mir an einigen Stellen mehr, an anderen weniger gut gefallen hat. Ich hatte das Gefühl, sie wird immer naiver. Aber im Allgemeinen empfinde ich ihre Entwicklung als sehr nachvollziehbar. Alessio ist der geheime Mann hinter der Maske, der auf jeden Fall zu den Bösen gehört. Dennoch wusste ich nie, was ich von ihm halten soll. Im einen Moment überreicht er Geschenke und verwöhnt Samira und im nächsten Moment muss sie für eine Kleinigkeit bestraft werden. Er ist impulsiv, geheimnisvoll und hatte auf jeden Fall eine schreckliche Kindheit. Ich wusste nie, auf wessen Seite er eigentlich wirklich steht, muss aber zugeben, dass ich mich zum Ende hin vielleicht ein wenig in ihn verschossen habe.

Der Roman ist in der Ich-Form verfasst worden, aus den verschiedenen Perspektiven von Samira, Alessio, aber auch von Elian, einem Mitarbeiter von Alessio. Dass ich den Schreibstil der Autorin liebe, muss ich bei der Menge an gelesenen Büchern von ihr, vermutlich gar nicht mehr erwähnen, oder?

Die Handlung hat mich von Anfang an fesseln können. Ich wollte und konnte das Buch gar nicht weglegen und habe die halbe Nacht lesen müssen, weil es einfach süchtig gemacht hat. Genauso ging es mir auch schon zuvor bei den Büchern der Autorin. Ich wusste nie, was ich als nächstes erwarten soll und wurde immer wieder aufs Neue überrascht. Es war sehr spannend und aufregend, aber auch sinnlich und schön zu lesen. Obwohl Samira mitten im Dschungel „gefangen“ worden ist, hat das ganze eine gar nicht so schreckliche Atmosphäre, wie ich zunächst erwartet hatte. Natürlich ist es geheimnisvoll und auch düster, aber dennoch angenehm zu lesen. Sie ist zwar an das Anwesen gebunden, aber dort so „frei“, was dem Ganzen einen ziemlich paradoxen Schleier aufsetzt.
Das paradoxe zieht sich auch durchgehend bei Alessio durch, der wie gesagt einerseits verwöhnt, andererseits bestraft. Das Gleichgewicht zwischen Härte und Zärtlichkeit hat mich wirklich beeindrucken können. Denn natürlich kommt die Erotik auch nicht zu Kurz. Und da weiß D.C. Odesza definitiv, wie sie solche Szenen schreiben sollte. Das war mir ja wie gesagt auch schon aus anderen Romanen bekannt, auch wenn es jedes Mal ein neues Spiel zwischen den unterschiedlichen Protagonisten darstellt.

Das Ende hat mich überrascht und ich habe es mehrmals lesen müssen. Im Nachhinein habe ich mir auch die Hilfe der Autorin dazu geholt, die mir noch ein paar Lücken füllen konnte. Ich bin nicht sonderlich gut darin, Dinge zu kombinieren und da hat D.C. Odesza mir auf jeden Fall helfen können. Es ist sehr verzwickt, hat aber dem Roman eine ganz andere Bedeutung gegeben. Es stecken noch viel mehr Verzweigungen in der Handlung, als eigentlich erwartet und gerade diese große Wendung verleiht dem Ganzen eine komplett andere Perspektive, sowie noch mehr Raffiniertheit der Autorin. Nachdem ich auch vollends verstanden habe, was eigentlich gerade passiert ist, war ich absolut fasziniert und begeistert. Es passt perfekt, noch mehr, als ich nach dem ersten Lesen der Schluss-Szene gedacht habe und begeistert mein Leser-Herz so sehr, dass ich es gleich noch einmal von vorne begonnen hab.
 
Vorsicht, SPOILER! Klicke auf diesen Satz, um die Spoiler zu lesen! Während des Lesen hatte ich häufig die Vermutung, dass Elian eventuell hinter Alessios Maske steckt. Ich kann mich nicht daran erinnern, beide jemals gleichzeitig gesehen zu haben und gerade in den Momenten, in den Alessio über Tage „geschäftlich“ verschwunden war, stand Elian Samira stets zur Seite. Dennoch habe ich diese Vermutungen nicht bis zum Ende hin verfolgt und nach Alessios Tod es nicht geschafft, zu merken, dass Elian es tatsächlich ist. Nachdem mir diese Verständnis-Lücke geschlossen wurde war ich überrascht, fasziniert und so sehr begeistert.
 

Fazit

Ein Buch, das süchtig macht und einen komplett in seinen Bann zieht. Die Protagonisten sind interessant, mysteriös und aufregend. Ich wusste nie, was als nächstes passieren wird und es ist definitiv nie das passiert, was ich mir ausgemalt hatte – im positiven Sinne! Es ist der perfekte Mix aus Erotik, Spannung, Anziehungskraft und Mysterien und ich könnte noch so viel mehr über Samira und Alessio lesen.
 

Ein ganz großes Dankeschön an die Autorin, sowohl für die Bereitstellung des Leseexemplars, samt wunderbaren Goodies, als auch für die Beantwortung von Fragen und Hilfestellungen für mein Verständnis!

2 Kommentare bei „Rezension | D. C. Odesza „Abendgewitter““

  1. Hallo liebe Lara,

    die Geschichte klingt an sich ziemlich interessant, obwohl es ansonsten nicht mein Genre ist. Allerdings klingt es auch gefährlich nach einer recht toxischen Beziehung. 😡 Auf jeden Fall aber eine tolle Rezension von dir und es freut mich, dass es dir gefallen hat. 🙂

    Liebe Grüße
    Dana

    1. Toxisch ist die auf jeden Fall, aaaaber da fällt mir gar kein Gegenargument ein, vielleicht bin ich immer noch nicht so ganz immun 😀

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