Rezension | Beth O’Leary „Love to share: Liebe ist die halbe Miete“

Übersetzt von: Pauline Kurbasik, Babette Schröder | 480 Seiten | Einzelband | „The Flatshare“ (Original) | 13.05.2019 | Diana Verlag | 9,99€ | Hier kaufen
 
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Inhalt

Not macht erfinderisch: Tiffy braucht eine günstige Bleibe, Leon braucht dringend Geld. Warum also nicht ein Zimmer teilen, auch wenn sie einander noch nie begegnet sind? Eigentlich überhaupt kein Problem, denn Tiffy arbeitet tagsüber, Leon nachts. Die Uhrzeiten sind festgelegt, die Absprachen eindeutig. Doch das Leben hält sich nicht an Regeln …
 

Erster Satz

Einen Vorteil hat es ja schon, wenn man verzweifelt ist: Man wird viel offener.

Meine Meinung

Ich muss ehrlich zugeben, dass vermutlich weder Cover, noch Titel mich in der Buchhandlung angesprochen hätten. Aber in meiner Klasse haben alle so sehr von diesem Buch geschwärmt, dass ich es unbedingt lesen musste.
 
Tiffy arbeitet in ihrem Traumberuf als Lektorin in einem Verlag für hauptsächlich DIY-Bücher. Dass sie dort nicht viel verdient, scheint sie nicht zu stören, bis sie von ihrem Ex aus der Wohnung geworfen wird und für wenig Geld eine Bleibe in London braucht. Sie hat eine bunte Persönlichkeit, die sie auch gerne nach Außen hin auslebt und ist mir super sympathisch gewesen.
Leon arbeitet Nachtschichten in einem Krankenhaus und braucht dringend Geld, um seinem Bruder zu helfen. Er ist sehr ruhig, spricht wenig und wenn, dann auch nur kurze Worte. Obwohl er sehr in sich gekehrt war, hat mir sein Charakter sehr gut gefallen. Ich habe zwar etwas mehr warm-werde-Zeit, als mit Tiffy gebraucht, aber letztlich habe ich ihn sogar noch etwas lieber.
 
Der Roman war abwechselnd in der Ich-Form aus den Perspektiven von Tiffy und Leon geschrieben. Der Schreibstil war angenehm und hat mir sehr gut gefallen. Besonders schön fand ich den wechselnden Schreibstil zu den wechselnden Perspektiven. Wo aus Tiffys Sicht alles schön beschrieben und umschrieben wurde, kommt Leon in seiner Sicht direkt auf den Punkt. Oft werden Satzteile, wie die Pronomen, weggelassen, was seinen Charaker wahnsinnig gut unterstrichen hat.
 
Die Handlung hat mir super gut gefallen – sie ist so so viel mehr, als die einfache Liebesgeschichte, die man sich aus dem Klappentext heraus vorstellt. Die Idee zweier Mitbewohner, die sich niemals sehen, nur über Post-Its kommunizieren, aber im selben Bett schlafen ist allein schon so genial, dass man das Buch schon lieben kann. Aber es gibt natürlich noch ein paar Nebenhandlungen, die schließlich ihre Stränge zueinander finden und zudem auch noch super wichtige Themen ansprechen, aber da erzähle ich später mehr zu.
Ich muss zugeben, dass ich zuvor skeptisch war, wie realistisch eine solche Mitbewohner-Geschichte sein könnte. Aber die Autorin hat in meinen Augen sämtliche Fragen, die sich mir zuvor gestellt haben, beantworten und sämtliche Logik-Lücken in meinem Gehirn schließen können.

 

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Ich fand die Darstellung zu emotionalem Missbrauch sehr gelungen und finde, dass diese genau die Entwicklung aufzeigt. Zunächst habe ich nichts schlimmes über Tiffys Ex, Justin, gedacht. Nun gut, er hat sie für eine andere verlassen, was zwar wirklich nicht schön, aber eben nicht „schlimm“ ist. Aber mit der Zeit wurde er immer seltsamer und ich habe gemerkt, dass es mir nicht sympathisch ist. Hin und wieder taucht er mal kurz auf, bringt Tiffy durcheinander. Will er sie zurück? Keine Ahnung. Und zum Ende hin sind mir wirklich die Tomaten von den Augen gefallen und ich habe gemerkt, was für ein riesen Arschloch er ist, wie sehr er Tiffy unterdrückt hat, ohne ihr jemals wirklich körperlich Schaden zuzuführen. Das stellt in meinen Augen unglaublich gut dar, wie sehr man sich in Menschen täuschen kann und dass es eben nicht „nur“ den körperlichen, sondern auch den emotionalen Missbrauch gibt, der vielleicht schnell als harmlos oder nicht existierend eingestuft wird – gerade auch von den Opfern, die vielleicht gar nicht mehr merken, dass so ein Verhalten nicht normal ist. Zudem fand ich es sehr schön zu sehen, dass Tiffy sich zum Ende hin auch psychologische Hilfe sucht.

 

Fazit

Ein wunderbares Buch, das ich fast verpasst hätte. Hinter dem süßen Cover steckt so eine wunderbare Geschichte, die ich jedem wärmstens weiter empfehlen kann!
 
 
Ein großes Dankeschön an den DIANA Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

 

3 Kommentare bei „Rezension | Beth O’Leary „Love to share: Liebe ist die halbe Miete““

  1. Hallöchen,
    mich hätte das Buch auch überhaupt nicht angesprochen, aber mir wurde es auch von so vielen Personen empfohlen, dass ich es versucht habe.
    Mir hat der Schreibstil leider eher nicht so gefallen. Also den in Tiffys Kapiteln fand ich toll, aber den in Leons nicht. Klar, dass sollte ihre unterschiedlichen Charakterzüge noch mehr betonen, aber ich fand diese kurzen Sätze echt nicht toll.
    Alles in allem fand ich das Buch zwar gut, aber gegen Ende war es mir dann etwas zu viel Kitsch und Drama. Trotzdem würde ich es weiterempfehlen 🙂
    Meine Rezension kommt Montag online und ich habe deine darin verlinkt 🙂
    Liebste Grüße, Kate

    1. Ach schade, ich fand es außergewöhnlich und auch gewöhnungsbedürftig, aber super angenehm 😀
      Ich danke dir! 🙂

  2. […] fairylightbooks | Buchkuschler | Traumrealistin […]

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