Rezension | Angie Thomas „On The Come Up“

Übersetzt von: Henriette Zeltner | 512  Seiten | Einzelband | „On The Come Up“ (Original) | 04.03.2019 | cbj | 18,00€ | Hier kaufen

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Inhalt

Jeder hat ein Recht auf Redefreiheit – aber nicht jeder wird gehört…
Die 16-jährige Bri wünscht sich nichts sehnlicher, als eine berühmte Rapperin zu werden. Als Tochter einer Rap-Legende ist das nicht leicht: Ihr Vater starb, kurz bevor er den großen Durchbruch schaffte, und Bri tritt in riesengroße Fußstapfen. Dann verliert ihre Mutter ihren Job. Plötzlich gehören Essensausgaben, Zahlungsaufforderungen und Kündigungen ebenso zu Bris Alltag wie Reime und Beats. Als sich die unbezahlten Rechnungen stapeln und ihre Familie kurz davor ist, ihre Bleibe zu verlieren, wird klar: Eine berühmte Rapperin zu werden, ist für Bri nicht länger nur ein Wunsch, sondern ein Muss …

Erster Satz

Vielleicht muss ich heute Abend noch jemanden killen.

Meine Meinung

„The Hate U Give“ hat riesige Wellen geschlagen und steht auch schon in meinem Regal – bisher allerdings ungelesen. Dennoch hat auch ihr neues Buch mich gleich ansprechen können. Da die Bücher keinen direkten Zusammenhang haben, obwohl sie beide in der gleichen Stadt spielen, habe ich aus Lust und Laune mit „On The Come Up“ begonnen.

Ob ich gut bin oder nicht, sollte nicht das Geringste mit ihm zu tun haben. Er hat mir das Rappen nicht beigebracht. Das habe ich selbst getan. Also, warum kriegt er die Anerkennung?

Seite 38

Es geht um Bri, die Tochter einer, bereits verstorbenen, Rap-Legende, die nun auch ihren Durchbruch als Rapperin schaffen möchte. Gerade da es ihrer Familie momentan finanziell nicht gut ergeht, setzt sie alles darauf, mit ihren Texten Geld verdienen zu können. Auf ihrem Weg dorthin läuft allerdings nicht alles immer glatt. Besonders als die Diskriminierung Schwarzer an ihrer Schule zunimmt und sie selbst direktes Opfer wird, schreibt sie wütend einen Text, der großes Aufsehen erregt – positives und negatives.
Ihr Charakter hat mir wahnsinnig gut gefallen, auch wenn sie das komplette Gegenteil von mir ist. Ich hatte sie gleich gern, auch wenn ich ihre Leidenschaft zum Rap nicht wirklich teilen kann. Dafür aber die zu Harry Potter, die hin und wieder mal hervor kommt. Was mir allerdings auch so gut an ihrem Charakter gefallen hat, war ihre Entwicklung. Ich schätze, ich nehme nicht zu viel vorweg, aber sie hat einen wirklichen Wandel durchlebt und im Laufe des Buches erst richtig zu sich finden können.

Der Roman ist in 3 große Abschnitte geteilt. 1. Old School, 2. Golden Age, 3. New School. Die Kapitel sind in der Ich-Form aus Bris Sicht verfasst worden und der Schreibstil der Autorin hat mir wahnsinnig gut gefallen. Er war sehr emotional und einfach mitten drin, so oft hatte ich Gänsehaut! Allerdings hat mir auch die Arbeit der Übersetzerin hier gefallen, auch wenn das jetzt paradox klingen mag. Jegliche Rap-Texte sind in der Originalsprache – auf Englisch – geblieben, was mir wahnsinnig gut gefallen hat. Gerade bei lyrischen Texten, Poesie etc. finde ich es super schwierig, gute Übersetzungen zu finden, die genauso so gut klingen. Was ebenso geblieben ist, ist der Slang der Protagonisten. Dafür gab es aber netterweise ein Glossar auf den letzten Seiten – das habe ich zwar nicht wirklich benötigt, aber ein voran gestellter Hinweis auf die Worterklärungen wären ziemlich hilfreich gewesen. So habe ich es leider erst nach Beenden des Buchs entdeckt.

Kommen wir aber nun mal zur Handlung und dem somit wichtigsten Part dieses Buches. Es geht um so vieles und wirklich alles ist wunderbar umgesetzte worden.
Wie bereits erwähnt ist Rap eigentlich gar nicht mein Musik-Genre und ich habe nicht erwartet, dass dieses Buch sich wirklich so arg damit beschäftigt, aber es hat mir gefallen! Von Rap-Battles, über Studioaufnahmen und Text-Entwürfen bis hin zur Song-Veröffentlichung und noch so vieles mehr. Es hat mir wahnsinnig Spaß gemacht, in diese Welt einzutauchen und gerade Bris Texte haben es mir total angetan. Besonders schön fand ich auch ihre immer wieder auftauchenden Geistesblitze zu sämtlichen Wörtern, aus denen sie gleich eine Line reimte, das war wirklich schön zu lesen. Auch die Gedanken hinter den Texten, die jeder schließlich anders interpretiert, waren sehr stark. Gerade als Bris Song zerrissen wird, weil andere ihn nun mal anders interpretiert haben, ist mir bewusst geworden, wie schnell andere verurteilt werden, wegen Missverständnissen

Does he know how far we’ve

Come without hearing, „I’m sorry?“

Seite 363

Was weniger schön an sich, aber dafür umso wichtiger in unserer Gesellschaft ist war der andere große Themenblock. Diskriminierung und Vorurteile.

Ich bin selbst nicht dunkelhäutig, werde nicht wegen meiner Herkunft diskriminiert und bin tatsächlich auch eher selten in meinem Umfeld in Kontakt mit Rassismus getreten. Trotzdem weiß ich natürlich, dass längst nicht alles so gut läuft, wie es gut laufen könnte. In den Medien, ob Nachrichtensender, Zeitungen oder Online-Artikeln sieht man ja täglich, was auf der ganzen Welt geschieht.

Dennoch habe ich mich ehrlich gesagt auch nie darüber hinaus mit diesen Themen beschäftigt und dafür war dieses Buch wahnsinnig gut. Genau diese Handlung ist zwar fiktiv, aber ich weiß, dass es genauso auch wirklich geschehen kann und geschieht. Von den zu schnellen Vorurteilen, wegen denen Bri schon bei einem Augenrollen zum Schulleiter muss oder als dunkelhäutige sofort als Drogendealerin und Unruhestifterin abgestempelt wird, bis hin zu Diskriminerung in den Klassen, von Vorgesetzten und Personen des Staats.

Fazit

Dieses Buch hat mir geholfen, zu verstehen, was diskriminierte Menschen durch machen und welche Folgen das hat. Ich bin zwar vorher nicht komplett blind durch die Welt gelaufen, aber dieser Blickwinkel hat sich mir zuvor nie geboten. Ich habe super viel lernen können und dabei eine interessante, emotionale Geschichte rund um einen wunderschönen Charakter erleben dürfen.

Ein riesen großes Dankeschön an den cbj Verlag und das Bloggerportal für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

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