Rezension | Sarina Bowen „The Ivy Years: Wenn wir vertrauen“

Übersetzt von: Ralf Schmitz | 398 Seiten | The Ivy Years #4 | „The Shameless Hour“ (Original) | 29.04.2019 | LYX Verlag | 9,99€ (E-Book) | Hier kaufen  

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Inhalt

Kannst du auf dein Herz vertrauen, obwohl es gebrochen ist? 
Eine Nacht voller Leidenschaft haben Bella und Rafe zusammen verbracht. Und obwohl Bella spürt, dass die Zeit mit Rafe etwas ganz Besonderes war, traut sie sich nicht, ihren Gefühlen nachzugeben. Denn sie hat auf schmerzhafte Weise gelernt, ihr Herz gut zu schützen. Doch Rafe will die Verbindung, die zwischen ihnen herrscht, nicht aufgeben und versucht ihr zu beweisen, dass sie so viel mehr füreinander sein könnten. Aber da wird Bella Opfer einer Mobbingattacke, die sie dazu bringt, sich vor der ganzen Welt zu verstecken. Wird es Rafe jemals gelingen, ihr Vertrauen zu gewinnen?

Erster Satz

Es waren bereits zwei Stunden vergangen, seit ich die zwanzig Kerzen auf dem Kuchen ausgeblasen hatte, den Ma für mich gebacken hatte, doch mein Hintern klebte immer noch auf einem Stuhl im Restaurante Tipico.

Meine Meinung

Ich verfolge die Reihe schon seitdem sie veröffentlicht wurde, gelesen hatte ich bisher allerdings nur den 2. Band. Diesen habe ich mit gemischten Gefühlen beendet, aber auch der Klappentext des 4. Teils hat mich wieder wahnsinnig angesprochen.

Fangen wir mal bei Rafe an. Er ist ein super süßer junger Mann, der auf Antiquitäten steht, sehr ruhig wirkt und auf jeden Fall ein Gentleman und fast ein bisschen romantisch ist. Durch seine strenge Familie hatte er bisher nur wenige Erfahrungen mit Frauen und ist nun allerdings bereit, mit seiner festen Freundin seine Jungfräulichkeit zu verlieren.
Bella ist das genaue Gegenteil von ihm. Sie ist selbstbewusst, weiß, was sie will und verheimlicht auch ihre zahlreichen Erfahrungen mit Männern nicht. Sie ist Student Managerin für das Eishockey-Team und hat somit mehr männliche, als weibliche Freunde, trinkt gerne Bier und freut sich vermutlich mehr über Spare Ribs, als über neue Schuhe.

Eigentlich waren mir beide Charaktere sehr sympathisch, wobei ich mich persönlich mehr in Rafe hineinversetzen konnte, als in Bella. Allerdings muss ich noch etwas zu ihrer Rollenverteilung los werden. Vielleicht merkt man es an meiner Charakter-Beschreibung, aber die Autorin setzt ihre zwei Protagonisten nicht in ihre typischen Klischee-Rollen. Das ist tendenziell etwas ziemlich gutes, aber leider fand ich es ein wenig zu übertrieben, zu sehr gegen diese Klischees. Die „Rollen“ waren mir zu bewusst und zu gewollt getauscht. Das ist nun wirklich Meckern auf hohem Niveau, aber leider war mir dieser Gegensatz der Personen teilweise zu hoch.

Der Roman ist in der Ich-Form, jeweils aus wechselnden Perspektiven von Bella und Rafe verfasst worden. Der Schreibstil gefällt mir, wie auch in vorherigen Büchern der Autorin, ganz gut, aber es gibt auch andere Autoren, die mich weitaus mehr begeistern konnten.

Die Handlung ist sehr … durchwachsen. Es gibt vieles, was mir in den Ansätzen sehr gut gefallen hat, das sich schließlich aber gegen meine Hoffnungen und Erwartungen entwickelt hat. Angefangen bei der bereits erwähnten Auflehnung gegen die Rollenklischees, die diese in verdrehter Form aber irgendwie noch mehr bestätigt hat. So ging es mir auch bei Bellas im Klappentext erwähnte „Mobbingattacke“, worauf ich später noch einmal nicht-spoiler-frei eingehen werde.
Zudem hatte ich besonders im mittleren Teil nicht das Gefühl, als würde das Buch auf etwas Hinauslaufen, als hätte es einen Roten Faden, dem gefolgt wird. Dadurch hat sich der Mittelteil leider ziemlich gezogen.

 

Achtung, Spoiler! Klicke auf diesen Satz, um die Spoiler lesen zu können.

Bella wird in einem Verbindungshaus unter Drogen gesetzt, nachdem sie einem der Verbindungsbrüder über eine bei ihr herrschende Geschlechtskrankheit informiert hat, die sie sich wohl bei ihm eingefangen haben muss. Daraufhin beschmieren die Jungs Bellas Körper mit einem Edding und hinterlassen sämtliche Beleidigungen auf ihr. Als würde das nicht genügen, stellen sie zudem die entwürdigen Bilder ins Internet. Dass Bella darauf ihr Zimmer nicht mehr verlassen möchte, kann ich absolut nachvollziehen. Doch, dass sie die Verbindungsbrüder weder bei der Polizei, noch beim Uni-Rektor (nennt man das so?) anzeigt, hat mich ein wenig gewundert. Natürlich spiegelt es die Realität wieder, in der viele missbrauchte Frauen/Männer nicht zur Polizei gehen, genauso wie gezeigt wird, dass selbst die selbstbewusstesten Menschen sich durch so etwas einschüchtern lassen und sich schämen. Doch hatte ich mir Bella in diesem Buch als eine Art „Vorbildsfunktion“ gewünscht, die sich eventuell schämt, aber gegen so etwas vorgeht. Ich hoffe, es ist verständlich, was ich meine.

Schlussendlich plant sie zwar eine Racheaktion, aber diese finde ich viel zu harmlos. Nicht, dass ich da zu etwas anderem aufrufen würde, aber ein Gang zur Polizei und eine Anzeige hätten den jungen Männern mehr geschadet, als ein Schild mit einem mehr oder weniger witzigen Spruch, der definitiv nicht das aufdeckt, was sie verbrochen haben. Allein die Tatsache, dass sie ein Code-Wort – „besondere Hausmischung“ war es glaube ich – für einen unter Drogen gesetzten Cocktail haben, zeigt doch, dass Bella nicht das erste Opfer war und vermutlich ist sie sogar noch „gut“ davon gekommen. Da hätte ich mir eine gerechtere Strafe gewünscht und etwas wie eine Ermutigung an Opfer, mit jemanden darüber zu reden.

Fazit

Und schon wieder werde ich mit gemischten Zurückgelassen. Ich hatte zwei sympathische Charaktere, einen schönen Schreibstil und viele gute Ideen. Leider aber auch ein wenig veschenktes Potential, das noch ein wenig besser hätte genutzt werden können. Dennoch hatte ich auch Spaß beim Lesen und ich werde mir ganz klar auch die restlichen Teile der Reihe noch kaufen.

Vielen Dank an den LYX-Verlag und Netgalley für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

4 Kommentare bei „Rezension | Sarina Bowen „The Ivy Years: Wenn wir vertrauen““

  1. Klingt nach einem spannenden Roman, obwohl ich auch finde, dass es nicht ganz klar ist, worauf das Buch hinaus will. Ich bleib dann bei meinen Krimis, wo es immer viel Spannung gibt. Haha

    LG Gilda
    http://www.itsgilda.com

    1. Das klingt doch auch gut 😀

  2. Hallo liebe Lara,
    ich habe mir deine Spoilerwarnung jetzt noch nicht durchgelesen, weil ich mir nicht sicher bin, ob ich den vierten Band der Reihe auch noch lesen möchte. Ich habe mir auf Anraten einer befreundeten Bloggerin hin den dritten Teil zugelegt. Die Geschichte hat mir unheimlich gut gefallen. Auch in Teil 3 kam Bella vor. Ich hatte einen nicht ganz so guten Start mit ihr. Aber sie war dort eben auch nur der Nebencharakter. Erst über die Seiten hinweg ist sie mir dann auch ans Herz gewachsen.

    Ich bin sehr gespannt, was du zu den anderen Büchern der Reihe sagen wirst und welche Geschichte dein persönlicher Favorit sein wird. Ich bin mir noch nicht sicher, welche Bände der Reihe ich noch lesen werde ….
    Mal schauen :o)

    Ganz liebe Grüße
    Tanja :o)

    1. Den 3. teil kannte ich bisher noch nicht, aber das hole ich aud jeden Fall noch nach 🙂

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