Rezension | Erin Watt „Paper Princess: Die Versuchung“

384 Seiten | Paper #1 | „Paper Princess“ (Original) | Young Adult | 01.03.2017 | Piper Verlag | 12,99€ | Hier kaufen

Inhalt

Ellas Leben war bisher alles andere als leicht, und als ihre Mutter stirbt, muss sie sich auch noch ganz alleine durchschlagen. Bis ein Fremder auftaucht und behauptet, ihr Vormund zu sein: der Milliardär Callum Royal. Aus ihrem ärmlichen Leben kommt Ella in eine Welt voller Luxus. Doch bald merkt sie, dass mit dieser Familie etwas nicht stimmt. Callums fünf Söhne – einer schöner als der andere – verheimlichen etwas und behandeln Ella wie einen Eindringling. Und ausgerechnet der attraktivste von allen, Reed Royal, ist besonders gemein zu ihr. Trotzdem fühlt sie sich zu ihm hingezogen, denn es knistert gewaltig zwischen ihnen. Und Ella ist klar: Wenn sie ihre Zeit bei den Royals überleben will, muss sie ihre eigenen Regeln aufstellen.

Erster Satz

Ella, der Direktor möchte dich in seinem Büro sprechen“, verkündete Miss Weir mir, noch ehe ich das Klassenzimmer betreten habe.

Meine Meinung

Das hier wird definitiv eine andere Rezension, als ich sie sonst schreibe, weil ich nicht weiß, wie ich das sonst anders zusammen fassen soll. Ich weiß generell überhaupt nicht, wie ich diese Rezension verfassen soll, also verzeiht mir. 
Mögliche Spoiler-Warnung! Ich weiß nicht, wie viel ich hier spoilern werde!
Ich habe über dieses Buch sehr viel gelesen, so wie jeder andere hier wahrscheinlich auch, wurde ich auf Blogger und Instagram überflutet. Nach den ersten hochlobenden Leserstimmen mischten sich auch immer mehr kritische dazu, ich habe versucht beiden so gut wie möglich aus dem Weg zu gehen. Aber Wortfetzen wie „verherrlicht Missbrauch“ oder „harmlos dargestellte Vergewaltigungen“ haben mich dazu gebracht, einen riesigen Bogen um dieses Buch zu machen. Als ich es neulich allerdings in der onleihe entdeckt habe, musste ich es einfach holen, einfach nur, um zu gucken, wie „schlimm“ dieses Buch wirklich ist.
Ella wird, wie im Klappentext erwähnt, nach dem Tod ihrer Mutter von dem besten Freund ihres bisher unbekannten (und verstorbenen) Vaters aufgenommen. Zum Glück ist dieser steinreich und hat 5 super heiße Söhne, die Ella allerdings vom ersten Moment an hassen, beleidigen, schikanieren und in die Enge treiben. Neben der Unterdrückung belästigen die fünf Ella auch ganz gerne, was sie überhaupt nicht zu stören scheint, eher im Gegenteil. Trotz der Altersunterschiede sind sie charakterlich kaum zu unterscheiden, weswegen ich sie das ganze Buch über kaum auseinander halten konnte, aber Ella schien den einen wohl ganz besonders heiß zu finden. 
Neben Ella, die ja total auf alle fünf Söhne steht und gleich mit zweien rummacht, gibt es glaube ich gerade mal 3 weitere Frauen, die in diesem Buch eine Rolle spielen. Ihre neue beste Freundin, die zum Glück genauso gerne mit 17 Jahren in Käfigen im Club tanzt. Ihre neue Rivalin in der Schule, die ja total scharf auf die Royals-Jungs ist, und sonst für nichts anderes Augen hat. Und die Freundin des Vaters, die durchgehend ihre Stiefsöhne antoucht und beinahe vor ihren Augen Sex mit dem Vater hat. Da sieht man schon mal, was ein schönes Frauenbild hier geschaffen wird. 
Aber ist das Bild der Männer besser? Nein! Allesamt sind sie nur auf Sex aus, sind aber gleichzeitig natürlich die edlen Ritter, die zur Tat schreiten und verprügeln, wer auch immer Ella nur ansieht. Emotional gestört sind alle 5, weil ihre geliebte Mutter verstarb (äh, wie wichtig ist das noch gleich für die Handlung?). Während der eine sich in Alkohol ertränkt, geht der andere zu illegalen Straßenkämpfen – oder war das ein und die selbe Person? Puh, ich konnte sie einfach nicht unterscheiden.
Sexuelle Bedrängung? Scheint hier auch niemanden zu stören, Sex ist doch geil! Als 12-Jährige von dem Freund der Mutter angegrapscht zu werden? Ach ist doch kein Problem, dafür zeigt er ihr wenigstens, wie man Menschen richtig verprügelt! Als 17-Jährige strippen? Aber damit verdient sie doch ihren Lebensunterhalt, also ist das doch okay! Unter Drogen gesetzt und vergewaltigt? Nichts, was eine Prügelei nicht löst! Alkohol- und Drogenmissbrauch? Aber die Mutter ist doch gestorben, das ist eine schwere für alle!
Ich hoffe, man merkt, was ungefähr ich hier aussagen will, ich kann es einfach nicht anders in Worte fassen. Die Autorinnen haben sich ja wenigstens noch bemüht, die Protagonistin relativ tough zu machen, aber kaum hat sie Reeds heißen Körper erblickt, schmilzt sie unter dem Pochen zwischen ihrer Beine ja schon zusammen. 
Ein paar Fragen blieben mir da allerdings auch offen. Warum zur Hölle bekommt der beste Freund des toten Vaters bitte die Vormundschaft? Warum wird hier niemals jemand angezeigt? Das wären doch deutlich höhere Konsequenzen nach einer Vergewaltigung als ein kleiner Jugendstreich. 

Fazit

Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Obwohl ich „vorgewarnt“ wurde, bin ich noch ziemlich schockiert. Es ist super sexistisch – in beide Richtungen – und absolut … seltsam. Keine Handlung hat wirkliche Konsequenzen, außer eine Prügelei, kein Charakter hat wirklichen Inhalt, außer gut auszusehen. Vergewaltigungen, Missbrauch und sonstige Schandtaten haben keinerlei Auswirkungen auf irgendwas. Der ganze Inhalt war abgesehen davon sehr flach und lieblos dargestellt. Das einzig „gute“ ist wohl, dass der Schreibstil ganz einfach war, weswegen ich das Buch schell lesen konnte.
Ich vergebe hier mal keine Wertung – es kann sich jeder selbst denken, was er von so einem Buch halten würde.

Liebst, Lara

Schreibe einen Kommentar