Scham für den eigenen Lesegeschmack

In letzter Zeit habe ich gemerkt, wie oft ich mich für meinen Lesegeschmack gerechtfertigt habe. Ja, tatsächlich habe ich mich sogar geschämt zuzugeben, welche Bücher ich gerne lese! Ich bekomme da gerne den „so was liest du also“-Blick, der vermutlich nur in meinen Gedanken zu existiert. Oft bekomme ich zu hören, dass Young Adult Romane doch so anspruchlos sein und warum würde ich mich gerne in eine so unrealistische Liebesgeschichte hineinversetzen wollen.

Wenn ich mit meinen Kollegen, die mit mir zusammen in einer Buchhandlung arbeiten, über Bücher rede, schäme ich mich häufig, über meine aktuellen Lektüren zu reden. Zwischen dem Ian McEwan-Fan auf der einen und dem Isabel Allende-Liebhaber auf der anderen Seite, fühle ich mich mit meinen Jugendromanen irgendwie… nicht so gebildet und schlau, wie die anderen.

Nachdem ich ein wiederholtes Mal von meinem Kollegen mit dem Satz „Ach, das kaufst du dir?“ in die Enge getrieben wurde und rot geworden bin, habe ich mich gefragt, warum ich mich für so etwas eigentlich schäme.

Es ist nun mal mein Geschmack! Und ich schäme mich doch auch nicht, dass ich den leckeren Obstsalat bei Freunden nicht esse, weil ich kaum Obst mag. Oder dass ich nicht bei jedem Kleidungs-Trend mitrenne und am liebsten in Jeans und T-Shirt herumlaufe. Warum interessiert mich dann so sehr, was andere Leute über meinen Lesegeschmack denken?
Mein Geschmack, meine Vorlieben, also ist das so! Und wer schreibt mir eigentlich vor, dass ich nur literarische Meisterwerke lesen sollte und nur diese stolz ins Regal gestellt werden dürfen? Eigentlich ja niemand, denn wer hat denn nicht gerne einfache Unterhaltung, Ablenkung vom Alltag, egal, wie „anspruchslos“ sie doch sei.

Das ist doch allerschönste an Büchern, sich in ihnen zu verlieren und den Alltag vergessen zu können und was andere darüber denken, sollte doch eigentlich egal sein.

Liebst, Lara

10 Kommentare bei „Scham für den eigenen Lesegeschmack“

  1. Hey,
    richtig starker Post und vollkommen meine Meinung. Ich hatte da auch schon die Situation, als ich die Edelsteintrilogie gelesen habe und irgendwas zu einer Kommilitonin bezüglich des Buches gesagt habe, war ihre Reaktion auch "Ist das nicht n Jugendbuch?" – Da war ich auch erstmal etwas sprachlos… Also ich kann deine Situation und auch deine Reaktion total nachvollziehen 😉
    Letztlich liest du und du musst daran Spaß haben und nicht irgendwer anderes 😉 du liest ja immerhin für dich und nicht für das Regal oder sonst was.

    Lieben Gruß
    Eva 🙂

    1. Danke! 🙂
      Ja, genau da hast du Recht! 🙂

  2. Halli hallo!
    Wie wahr diese Worte sind die da oben stehen! Auch ich war schon oft in einer ähnlichen Situation. Wenn man erwähnt, dass man viel liest, erwarten die Leute aus irgendeinem Grund, dass Sie mit Einstein reden, der nur Tolstoi und Goehte liest. Wenn man ihnen dann erklärt, dass sich das alles ganz anders verhält bekommt man diese Blicke, absolut wahr.
    Aber dein Lesegeschmack ist letztendlich so individuell wie du selbst.
    Toller Post und toll geschrieben!
    Liebe Grüße 🙂
    Kim (von Zeilenmelodien.blogspot.com)

    1. Genau! Oh, "dein Lesegeschmack ist letztendlich so individuell wie du selbst" ist ein sehr schöner Satz! 🙂

  3. Ich mag deinen letzten Satz gerne! Du hast einfach Recht in deinem Post und ich wünsche mir für dich, dass dir künftig solche Situationen erspart bleiben!

    Liebe Grüße,
    Mila <3

  4. Oh nein, das sollte man bloß nicht tun, sich für etwas zu schämen, was man liest. Es muss doch dir gefallen, sonst niemandem. Zudem ist Lesen selbst schon etwas so Wunderbares, das man sich niemals schämen sollte.

    LG,
    Neri von Leselaunen

    1. Da hast du absolut Recht! 🙂

  5. Liebe Lara,

    toll geschrieben! Da hast du wirklich Recht! Ich muss aber zugeben, dass ich mich auch manchmal dafür schäme. Wir sprachen in einem Germanistik Seminar an der Uni über Rechtschreib- und Grammtikfehler in Romanen. Mir ist einer in einem Buch von Geneva Lee aufgefallen und ich schämte mich auch zuzugeben, welches Buch ich gerade lese. Zumal Unidozenten stets deutsche Klassiker lesen – zumindest kommt mir das so vor.

    Herzlich
    Marie von Bücherweltembummlerin

    1. Danke dir 🙂
      Oh ja! In meinen Deutsch Kursen in der Schule habe ich so etwas auch nie zugeben wollen 😀

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